Nachruf: Joachim „Jochen“ Stumpf – Der Vater des Weißenfelser Profibasketballs

Der SYNTAINICS MBC nimmt in tiefer Trauer Abschied von Joachim „Jochen“ Stumpf. Er verstarb vergangene Woche im Alter von 79 Jahren. Mit ihm verliert der Club nicht nur einen seiner Gründerväter, sondern die Seele und den entscheidenden Motor einer ganzen Sportära.

Jochen Stumpf war weit mehr als ein Funktionär oder Sponsor – er war der Architekt, der den Basketball in Weißenfels aus der regionalen Bedeutungslosigkeit bis in die deutsche Spitze und auf die europäische Bühne führte. Sein Weg beim SSV begann bereits 1961 in der Jugendabteilung. Als Spieler feierte er 1979 den Aufstieg in die DDR-Oberliga und übernahm bereits damals als Mannschaftsleiter jene Verantwortung, die seinen weiteren Lebensweg und den Verein prägen sollte.

In den unruhigen Wendejahren bewies er jenen Mut und jene Weitsicht, die ihn zum „Vater des Weißenfelser Profibasketballs“ machten. Unvergessen bleibt seine Reise nach Prag im Frühjahr 1991, als er gemeinsam mit Vertretern der Stadt die Verpflichtung von Vladimir Vyoral perfekt machte – ein Meilenstein, der den Grundstein für den späteren Bundesliga-Aufstieg legte. Jochen Stumpf war ein „Macher“ im besten Sinne: Er organisierte nicht nur Spielerverträge, sondern oft auch Wohnungen, Arbeitsplätze und ein Stück Heimat für die Athleten, die er nach Weißenfels holte. Für viele Spieler war er weit mehr als ein Chef. Er war eine Vertrauensperson, die sich persönlich um ihre Integration und ihr Wohlergehen kümmerte.

Auch in schwierigsten Zeiten blieb er seinem Club treu. Als der MBC 2004 vor dem existenziellen Aus stand, war es ein entscheidender Tipp von Jochen Stumpf, der den Weg für die Lizenzlösung und damit den Fortbestand des Basketballs in Weißenfels ebnete. Gleichzeitig war er als Gesellschafter einer der Menschen, die den Europapokalsieg 2004 überhaupt erst möglich gemacht haben. Sein unerschütterlicher Glaube an den Standort und seine Bereitschaft, auch großes persönliches Risiko einzugehen, retteten den Verein in seiner dunkelsten Stunde.

Dass er noch Jahrzehnte später emotional so eng mit den Wölfen verbunden war, zeigte sich eindrucksvoll, als er 2025 gemeinsam mit uns in der Stadthalle den Pokalsieg feierte. Ebenso war es ihm ein Herzensanliegen, bei der Galanacht der Mitteldeutschen Basketball-Legenden dabei zu sein – als eine der prägenden Persönlichkeiten, ohne die es diese Erfolgsgeschichte gar nicht gegeben hätte.

Martin Geissler, Geschäftsführer des SYNTAINICS MBC, würdigt ihn mit sehr persönlichen Worten: „Jochen Stumpf war für mich eine der prägendsten Persönlichkeiten meiner gesamten Laufbahn. Ohne seinen Mut, seine unternehmerische Risikobereitschaft und seine bedingungslose Loyalität gäbe es den MBC in dieser Form heute nicht. Er hat den Basketball in Weißenfels gelebt – mit jeder Faser seines Seins. Ich habe unsere persönlichen Gespräche über all die Jahre zutiefst geschätzt. Jochen war direkt, ehrlich und klar in seiner Meinung – ein Mann der alten Schule, dessen Wort Gewicht hatte. Dass er noch vor gut einem Jahr mit uns gemeinsam in der Halle den Pokalsieg gefeiert hat und auch bei der Gala der Legenden dabei war, zeigt seine tiefe, lebenslange Verbundenheit. Er war bis zuletzt ein fester Teil unserer Familie. Wir verlieren einen Mentor, einen Wegbegleiter und einen wahren Freund. Sein Erbe wird in jedem Spiel, das wir in Weißenfels bestreiten, weiterleben.“

Zum Gedenken an diesen außergewöhnlichen Menschen wird der SYNTAINICS MBC vor dem Heimspiel am 6. März gegen die SKYLINERS Frankfurt eine Schweigeminute abhalten. Die Mannschaft wird zudem mit Trauerflor auflaufen, um Jochen Stumpf die letzte Ehre zu erweisen.

Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Renate, die ihm über fünf Jahrzehnte lang den Rücken stärkte, sowie seiner gesamten Familie und allen Angehörigen. Der SYNTAINICS MBC wird Joachim „Jochen“ Stumpf niemals vergessen. Er hat den Wölfen das Laufen beigebracht – wir werden in seinem Sinne weiterkämpfen.

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